Geschichten: Wenn reife Frauen jemanden treffen
Karin, 52 · Berlin
Fünfundzwanzig Jahre Ehe, dann eine Zweizimmerwohnung im Prenzlauer Berg und ein schiefer Spiegel. Karin wagt ihr erstes Date seit der Scheidung – auf der Admiralbrücke, mit einem Mann, der ihr nichts verspricht.
Vier Stationen bis zur SchanzeKatrin, 48 · Hamburg
Ein unterschriebener Vertrag, ein leeres Büro in der HafenCity, niemand zum Anstoßen. Bis der junge Designer Jonas an die Glastür klopft und Katrin zum ersten Mal seit Jahren etwas tut, das in keinem Kalender steht.
Zwei Tassen in der AinmillerstraßeClaudia, 56 · München
Drei Jahre lang hat Claudia jeden Morgen zwei Tassen aus dem Schrank genommen. Dann bleibt sie am Kleinhesseloher See vor einem Mann stehen, der sie seit einem Jahr zeichnet – und lädt ihn schließlich zu sich nach Hause ein.
Dienstags in EhrenfeldMiriam, 44 · Köln
Im gemeinsamen Kalender steht Yoga, dienstags von 17 bis 19 Uhr. In Wahrheit fährt Miriam ins Belgische Viertel und nach Ehrenfeld, zu David, dem Restaurator, der den Stuhl ihrer Großmutter gerettet hat – und vielleicht auch sie.
Fünf Tage im OktoberPetra, 50 · Frankfurt am Main
Jedes Jahr im Oktober, fünf Tage lang, ist Petra eine andere. Seit einem Abend an einer Hotelbar gegenüber dem Messeturm gehört die Buchmesse ihr und Henrik. Doch diesmal bringt sie nach Sachsenhausen eine Neuigkeit mit.
Morgengrau über der KarlshöheSonja, 46 · Stuttgart
Nach zwölf Stunden Nachtdienst will Sonja nur noch schlafen. Doch auf der Karlshöhe sitzt ein Mann mit Thermoskanne und Skizzenbuch, und plötzlich ist der Morgen viel zu schön, um ihn allein zu verbringen.
Acht Takte bis zum RheinBirgit, 53 · Düsseldorf
Nach der Scheidung wollte Birgit nur etwas Neues lernen. Dann teilt die Tangolehrerin ihr Luca zu, einen Ingenieur aus Turin, der nur bis März in Düsseldorf bleibt, und jeder Schritt wird zur Frage.
Dreißig Jahre und eine NachtUlrike, 49 · Leipzig
Dreißig Jahre nach dem Abitur steht Jens plötzlich wieder vor ihr, in einem Lokal auf der Karli. Ulrike weiß, dass die alte Klasse jeden Blick kommentieren wird. Also verabreden sie sich woanders.
Stuck und SternenstaubAnja, 41 · Dresden
Der Sohn studiert in Freiberg, die Altbauwohnung in der Neustadt hallt plötzlich. Als ein Wasserschaden die Stuckdecke ruiniert, schickt die Hausverwaltung Jonas. Er ist achtundzwanzig, spielt Gitarre und sieht Anja an, als wäre sie die Restaurierung wert.
Donnerstags am MaschseeGabriele, 57 · Hannover
Mit siebenundfünfzig, frisch aus der Sparkasse verabschiedet, legt Gabriele zum ersten Mal ein Profil an. Ihr erstes Date am Maschsee endet mit einem ungewöhnlichen Vorschlag: Donnerstage, sonst nichts.
Glühwein unter der FrauenkircheHeike, 45 · Nürnberg
Versetzt von ihrer Kollegin steht Heike allein am Glühweinstand auf dem Christkindlesmarkt. Dann empfiehlt ihr ein Fremder den Silvaner von nebenan – und aus einem Becher wird ein Abend, der sie bis nach Gostenhof führt.
Der Gastforscher aus PoppelsdorfDorothea, 55 · Bonn
Seit elf Jahren isst Dorothea ihr Mittagsbrot allein auf derselben Bank in der Rheinaue. Bis dort ein junger Forscher sitzt, der mit seinem Vortrag kämpft – und sie zum ersten Mal seit Jahren etwas riskiert.
Sonntags auf der PromenadeMartina, 50 · Münster
Rainer ist in Mexiko, die Wohnung im Kreuzviertel ist zu still. Also holt Martina das alte Hollandrad aus dem Keller. Hinter dem Buddenturm springt die Kette ab – und ein Fremder mit schwarzen Händen verändert ihren Sonntag.
Nebel über dem SchauinslandMira, 39 · Freiburg im Breisgau
Mira wollte die Alpen fotografieren und bekommt nur Nebel – und einen Hamburger Wanderer, der ihr sein halbes Butterbrot anbietet. Aus einem verlorenen Morgen wird ein Tag ohne Plan und eine Nacht ohne Versprechen.
Ein Zimmer am EuropahafenGesine, 58 · Bremen
Kurz vor Ladenschluss fragt ein nasser Fremder nach dem „Schimmelreiter“. Gesine, seit neunzehn Jahren verwitwet, sagt ja zu einem Glas Wein an der Schlachte – und findet sich wenig später in einem Hotelzimmer über dem Europahafen wieder.